siegfried l. kratochwil (1916-2005)
Siegfried L. Kratochwil wird von Kennern der naiven Malerei als bester unter den Österreichern eingestuft. Mit Überzeugung schließe ich mich diesem Urteil an. 1916 wurde er in Karlstift (eine kleine Holzfällersiedlung in Niederösterreich) geboren. Mutter: Dienstmagd, Vater: Bäckergehilfe. Die Schule besuchte er in Wien. "Schon als Kind bedeutete mir nichts mehr als die Freiheit und die Natur." Nach dem Besuche einer Berufsschule war er zunächst Mechaniker und Werkzeugmacher. Notgedrungen mußte er sich in vielerlei Berufen versuchen. 1939 heiratete er. Die ersten Ehejahre waren infolge des Krieges, der russischen Besatzung Wiens und der wirtschaftlichen Not sehr problematisch. Sein schlechter Gesundheitszustand bewahrte ihn vor dem Militär. Kratochwil mußte in einen Rüstungsbetrieb arbeiten.
"1941 kam unsere Tochter Erika zur Welt. Während ihrer Schulzeit half ich ihr beim Zeichnen und Malen. Malen machte mir ganz einfach Freude. Das Schöne am Malen ist: Es hindert mich kein Mensch, das Leben so wiederzugeben wie ich es halt sehe. In den fünfziger Jahren wurde ich Goldschmied, weil mich plötzlich dieser Beruf lockte. Hier wurde ich zu mehr Präzision in der Malerei erzogen. Man nennt mich einen Eigenbrödler. Wen stört's wenn ich "brödle?" Schließlich hat mein Brödeln Bilder zum Ergebnis, die wofür ich sehr dankbar bin, schon in berühmten Privatsammlungen und Museen hängen."
Siegfried L. Kratochwil malt mit Vorliebe Wiener Motive und schreibt zu jedem Bild ein Gedicht. "Der Maler mit dem träumenden Herzen" hat man ihn genannt. Auch wegen dieser Eigenschaft hat er heute in vielen Ländern seine Bewunderer.

