Naiver Maler/Dichter

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Gedichte

DER 5 UHR TEE 

In den 20er und 30er Jahren, 

"Cafés" in Wien sehr viele waren. 

Das "Café" 'ne Institution, 

war damals und auch früher schon.

 

Beim Dommayer, beim Wunderer 

in Hitzing, war es wunderbar. 

In Meidling's "Café" Tivoli, (Café-Meierei) 

nahe Schönbrunn, vergeß'ich nie.

 

Die Bedienung und die Atmosphär', 

wurde damals geschätzt so sehr. 

Bei einem gut gekochten "Braunen", 

vergingen alle schlechten Launen.

 

Man brauchte sich nicht zu beeilen, 

konnt'stundenlang in Ruh'verweilen, 

Zeitungen, sie lagen auf, 

aus aller Welt, ein ganzer Hauf’.

 

War die Kaffeschale geleert, 

auch die gut’Mehlspeise verzehrt, 

einen Schluck Wasser noch dazu, 

dann gemach, in aller Ruh’, 

alle Zeitungen studiert, 

was da und dort täglich passiert.

 

Der Ober kam von Tisch zu Tisch, 

serviert’den Gästen Wasser, frisch. 

War ‘mal das Glas zur Hälfte leer, 

bracht’man gleich Wasser, bitte sehr. 

So konnte man, ohne zu eilen, 

bei ‘nem Glas Wasser lang verweilen.

 

Stattgefunden im "Café", 

hatt’früher auch der "5 Uhr Tee". 

In Kaffehäusern, in gewissen, 

wollt’man den "5 Uhr Tee" nicht missen.

 

Es gehörte auch zum "guten Ton", 

daß man dem "Hübners Kursalon", 

in Hitzing ‘nen Besuch gemacht 

und den "5 Uhr Tee" dort verbracht. 

Es war im "Entrée" immer schon, 

dabei die Konsumation.

 

Das Orchester Charlie Gaudriot, 

die allerneuesten Schlager bot. 

Dazu wurd’fröhlich, ungezwungen, 

das Tanzbein oft und gern’ geschwungen.

 

Ja bei so einem "5 Uhr Tee", 

wenn ich d’ran denk’ und zurück seh’, 

fanden Damen sich allein, 

gern’zum Tanze oft dort ein.

 

Ein Eintänzer war stets zugegen. 

Wenn eine Dame, ganz verlegen, 

das "Mauerblümchen", tanzen wollt’, 

wurd’sie von ihm zum Tanz geholt.

 

Beim Tanze wurde immer schon, 

gepflegt die Konversation. 

Die bracht’die Herrn und die Damen 

etwas näher und zusammen. 

So manche Pärchen, ungebunden, 

haben sich beim Tanz gefunden.

 

Da ich dies’alles hab’erlebt, 

hatt’ ‘s mich zum malen dann bewegt. 

Ich wandt’nach innen meinen Blick

und schaut verträumt die Zeit zurück.

 

 

Der 5 Uhr Tee

1993

Eitempera & Ölfarbe 

46 cm x 50 cm

(Um zu vergrößern, auf Bild klicken)

Copyright © Siegfried L. Kratochwil & Aryan Siegfried Assadi. Alle Rechte Vorbehalten